Nachteilsausgleiche

Nachteilsausgleiche für Regelschüler
Es gibt eine ganze Reihe von Tipps, die dem Schwerhörigen das Leben an der Regelschule wesentlich erleichtern können. Oft macht schon eine Kleinigkeit (wie z.B. Filz unter die Stühle zu kleben) eine enorme Verbesserung aus. Beim Umsetzen aller Tipps bist du natürlich auch auf die Kooperation und Mitarbeit deiner Lehrer angewiesen. Unterstützung kannst du auch ggf. durch Schulen mit dem Förderschwerpunkt Hören erlangen, die dir eine/n Beratungslehrer/in zur Verfügung stellen können.

Was kannst du tun, damit deine Lehrer dich unterstützen?

  • Gib ihnen erst einmal Informationen über die Hörschädigung und versuche zu erklären, wie schwierig das Hören für dich ist. Lasse dir dabei z.B. von deinen Beratungslehrern helfen oder Informationsbroschüren geben. Viele Lehrer können sich überhaupt nicht vorstellen, was das Leben mit einer Hörschädigung bedeutet.
  • Überfahre deine Lehrer nicht mit Forderungen, sondern führe zunächst einmal ein ruhiges Gespräch. Wenn du dich dabei alleine oder unwohl fühlst, dann nimm deine/n BeratungslehrerIn oder eine/n FreundIn mit.
  • Gib ihnen z.B. die unten folgenden Informationen schriftlich.
  • Wichtig: Mache Alternativ-Vorschläge. Sage nicht nur: „Ich kann aber kein Diktat schreiben.“, sondern mache stattdessen den Vorschlag: „Ich kann aufgrund meiner Hörschädigung das Diktat nicht mitschreiben, weil ich einfach zu vieles nicht verstehe. Ich bin aber bereit, in der Zeit, in der das Diktat geschrieben wird, stattdessen eine alternative Aufgabe zu erledigen, z.B. einen Aufsatz zu schreiben.“
Was kannst du tun, um an der Regelschule besser klarzukommen?
Verbesserung des Umgangs: Persönliches für die Lehrer

  • Bitte die Lehrer, mit dem Gesicht zur Klasse gedreht zu sprechen und nicht nebenbei etwas zu erklären, wenn sie gleichzeitig an der Tafel schreiben.
  • Bitte deine Lehrer, dir sehr wichtige Dinge, also z.B. Hausaufgaben, Aufgabenstellungen bei Tests und Klassenarbeiten, Informationen bzgl. irgendwelcher Ausflüge etc. schriftlich mitzuteilen!
  • Deine Note sollte so bewertet werden, dass die schriftlichen Arbeiten zu 70% und die mündliche Mitarbeit nur zu 30% in die Note einfließen. (Das kann über einen Nachteilsausgleich geregelt werden!) Mache deinem Lehrer den Vorschlag, dass du anstelle der mündlichen Mitarbeit bereit bist, alternative Aufgaben zu erfüllen, z.B. eine kleine Hausarbeit zu schreiben.
  • Bitte deine Lehrer darauf zu achten, dass es in der Klasse einigermaßen ruhig ist, wenn wichtige Mitteilungen gemacht werden.
  • Wenn bei Klassenarbeiten z.B. eine Aufgabenstellung das Anhören eines Textes oder das Anschauen (und Verstehen) eines Filmabschnitts verlangt, dann sollte diese Aufgabe bei dir nicht bewertet werden. Oder aber der Lehrer soll dir eine schriftliche Version des Textes vorlegen, damit du wirklich alles verstehst.
  • Und, ganz wichtig: all dies sollte nicht ständig mit der Begründung erfolgen: „XY kriegt sonst nix mit.“ Das drängt dich nämlich in eine Sonderrolle und fördert das soziale Miteinander in der Klasse nicht gerade. Es sollte zwar durchaus kurze Erklärungen geben (z.B. warum du eben eine schriftliche Aufgabe statt der mündlichen Mitarbeit machen darfst), aber es sollte nicht ausarten.

Verbesserung der Akustik: Organisatorisches/Akustisches den Raum betreffend

  • Die beste Sitzform für dich ist die U-Form. Bitte darum, dass in eurer Klasse eine solche Sitzordnung eingerichtet wird.
  • Du solltest dann vorne an der Seite sitzen, mit dem RÜCKEN zum Fenster (das erlaubt dir ein besseres Mundbild deiner Mitschüler und Lehrer) und so, dass du möglichst viele Mitschüler im Blick hast.
  • Wenn möglich, sollte ein/e Freund/in neben dir sitzen, bei der/dem du notfalls abschreiben kannst, wenn du eine Mitteilung/eine Aufgabenstellung nicht verstanden hast.
  • Die Stühle sollten von unten mit Filz beklebt werden, damit der Geräuschpegel reduziert wird. Ebenso sollten, wenn möglich, Vorhänge an den Fenstern angebracht werden.
  • Wenn dies an deiner Schule möglich ist: erfrage, ob dein Klassenraum einen Teppichboden bekommen kann u. o. eine spezielle Akustikdecke eingebaut werden kann. Dies trägt zu einer verbesserten Akustik im Raum bei.
Gesetzliche Grundlagen (hier aus der Schulordnung von NRW)
Allgemeine Schulordnung (AScho) für Nordrhein-Westfalen

§ 22 Abs. 2, Schriftliche Arbeiten und Übungen, Randnummer 16:
Behinderten Schülerinnen und Schülern sind Erleichterungen in Form von technischen Hilfsmitteln zu gewähren. Es gibt keinen allgemeinen Bewertungsgrundsatz, dass solchen Schülerinnen und Schülern zeitliche Vergünstigungen gewährt werden ( VGH Hes, Kassel, 16. 9. 1964, SPE n.F. 600, Nr. 2 ). Bei der Gewährung entsprechender Erleichterungen steht der Schule kein Beurteilungs- und Ermessensspielraum zu. Art und Umfang der Erleichterungen sind danach auszurichten, dass die Beeinträchtigung voll ausgeglichen wird. Vergleichsmaßstab sind insoweit die Bedingungen der nicht behinderten Schülerinnen und Schüler. Art und Bemessung der Ausgleichsmaßnahmen sind danach auszurichten, das dem Grundsatz der Chancengleichheit möglichst vollständig Genüge getan wird (VGH BaWü, Mannheim, Beschl. v. 26. 8. 1993, SPE n.F. 600, Nr. 16.

Dies bedeutet, dass deine Lehrer dir einen gewissen Nachteilsausgleich gewähren müssen. Und zwar in dem Maße, dass deine Beeinträchtigung so ausgeglichen wird, dass du in der Lage bist, genauso wie deine hörenden Klassenkameraden dem Unterricht zu folgen bzw. deine Aufgaben zu erledigen.

Eine gute Auflistung verschiedener Nachteilsausgleiche findet man hier: http://integrationskinder.org/schule/nachteilsausgleich.htm
Diese Seite bezieht sich eigentlich auf blinde Kinder, man findet dort aber alle wichtigen Paragraphen und weiß dann, wo man weitergehende Informationen suchen kann.

 

Du wirst nicht von einer/m Beratungslehrer/in betreut?
An jeder größeren Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören gibt es spezielle Förderstellen (Ambulante Fördermaßnahme), die die Kinder mit Hörbehinderung an Regelschulen betreuen. Wenn du bisher nicht von einer solchen Stelle betreut wirst, dann bitte deine Eltern, sich für dich schlau zu machen und die für dich zuständige Stelle zu finden.
Dein/e Beratungslehrer/in kann dir immer helfen, wenn es z.B. darum geht, dass du bestimmte Nachteilsausgleiche bekommen möchtest oder wenn es Probleme gibt.
Quellen und weiterführende Infos: